Cybersicherheit und der estnische Vorsitz

  • Einblicke
  • 03.08.2017 09:53

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Elektronische Geräte in der Gesellschaft
Cybersicherheit, der Schutz elektronischer Daten, ist ein wichtiges Thema für den estnischen Vorsitz (Foto: Stocksnap)

Der estnische Vorsitz im Rat der Europäischen Union hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Digitalen Binnenmarkt voranzubringen und zu verbessern. In dieser Hinsicht spielt Cybersicherheit eine große Rolle. Cybersicherheit nimmt viele verschiedene Formen an - was sie alle eint, ist das Ziel, elektronische Daten vor kriminellen oder nicht autorisierten Zugriffen zu schützen damit die EU-Bürger alle Vorzüge der Digitalisierung genießen können.

Was ist Cybersicherheit?

Cybersicherheit befasst sich mit dem Schutz elektronischer Daten. Hierbei geht es um verschlüsselte Netzwerke, Antivirensoftware und grundlegende Cyberhygiene für Internetnutzer, wie zum Beispiel die Geheimhaltung von Passwörtern und das Erstellen komplizierterer Passwörter, die man nicht leicht erraten kann.

In diesem Kontext ist Cybersicherheit kein Thema, das nur die EU oder einzelne Mitgliedstaaten berührt – es ist für jeden Mitbürger relevant.

Cybersicherheit ist notwendig, da wir uns als europäische Gesellschaft im langen Prozess der Digitalisierung befinden und dabei eine neue, automatisierte gesellschaftliche Ebene geschaffen haben, eine Grundsäule unseres täglichen Seins und Schaffens. Um diese digitale Gesellschaft voranzubringen, müssen wir auch den Schutz und die Sicherheit aller Bürger garantieren können. 

Warum ist Cybersicherheit wichtig?

Ein Teil der Cybersicherheit funktioniert präventiv in dem Sinne, dass das Ziel ist, einem feindlich gesinnten Staat oder einem Hacktivisten den Zugang zu unseren Daten von Grund auf zu verwehren. Insgesamt geht es bei der Cybersicherheit jedoch um die Schaffung neuer Möglichkeiten für alle Menschen. 

Das Internet hat in allen Lebensbereichen Fuß gefasst, so zum Beispiel in den Bereichen Handel, Reisen, Kommunikation, oder Kultur. Dies ist eine große Chance, die alle EU-Bürger stärkt und den Handel sowie die Interaktion zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen einfacher und effizienter gestaltet. 

Um dies gewährleisten zu können, brauchen wir einen starken rechtlichen Rahmenplan für elektronische Daten, der die Sicherheit aller gewährleistet. Dies ist ein unabdinglicher Bestandteil des Digitalen Binnenmarkts, dem alle Nutzer vertrauen können. 

Für einen sicheren Binnenmarkt

Der estnische Vorsitz beschäftigt sich viel mit digitalen Lösungen (in Englisch); so wie es auch in den Prioritäten des Vorsitzes beschrieben ist, müssen wir „mit dem technologischen Fortschritt mithalten, der zum Wandel des täglichen Lebens von Einwohnern, Unternehmen und Staaten führt“. Daher geht es bei der Cybersicherheit nicht um die Begrenzung oder Einschränkung der Internetnutzung, sondern vielmehr um die Sensibilisierung dafür, sich in der digitalen Umgebung umsichtig zu verhalten.

Cybersicherheit bedeutet auch, dass die Mitgliedstaaten ihren Bürgern dabei helfen müssen, sich selbst zu schützen, wenn sie das Internet nutzen, Online-Banking machen, E-Mails verschicken oder anderweitig im Netz aktiv sind. 

Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zum Digitalen Binnenmarkt mit guter Cybersicherheit ist die Verabschiedung der eIDAS-Regulierung (in Englisch) am 23. Juli 2014 (in Englisch). Diese legte die Grundlage dafür, dass Bürger und Unternehmen die jeweiligen staatlichen elektronischen Identifikationsmechanismen (eID) auch nutzen können, um auf öffentliche Angebote in anderen Mitgliedstaaten zuzugreifen. 

Dazu gehört auch die Schaffung eines EU-Binnenmarkts für elektronische Unterschriften, Siegel, Zeitstempel und andere Authentifizierungsweisen. Diese kluge Nutzung bereits existierender Technologien ist für viele Bürger in Mitgliedstaaten wie Estland ein fester Bestandteil des täglichen Lebens geworden, da Verträge und andere wichtige Dokumente durchweg elektronisch mit dem Personalausweis und einem Smartcard-Lesegerät am Computer unterschrieben werden. Estnische Bürger können so Geburts- und Sterbeurkunden registrieren oder ihre Steuererklärung abschicken. 

Das rechtliche Rahmenwerk der eIDAS-Regulierung erlaubt es Bürgern, Unternehmen und öffentlichen Behörden, auf sichere Art und Weise grenzübergreifend Dienste zu nutzen und Überweisungen zu tätigen. Die Aktivitäten, die durch die eIDAS-Regulierung abgedeckt werden, beinhalten auch die Online-Abgabe von Steuererklärungen, die Immatrikulation an einer ausländischen Universität und die Authentifizierung für Onlineüberweisungen. 

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass EU-Regulierungen zur Onlinesicherheit das Leben aller Menschen leichter und sicherer machen. Durch diese Initiative können Mitgliedstaaten ihre Bürger ermutigen, elektronische Unterschriften und andere, sichere Onlinedienste häufiger zu nutzen und dadurch besseren Zugang zu fundamentalen Dienstleistungen zu erhalten. 

Cybersicherheit und die Schwerpunkte des estnischen Vorsitzes

Eine offene und innovative europäische Wirtschaft

  • Die Stärkung der Verbraucherrechte ist eine Grundbedingung für eine offene und innovative EU-Wirtschaft.
  • Verstärkte Cybersicherheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Güter, Personen, Dienstleistungen und Kapitaleinlagen nahtlos Grenzen überschreiten können und sich sowohl die Sender als auch Empfänger auf das Transaktionssystem und dessen Sicherheit verlassen können.

Ein sicheres und geschütztes Europa

  • Datensicherheit ist ein Sicherheitsthema, sowohl für nationale als auch supranationale Akteure; auf der EU-Ebene bedeutet das, dass die Mitgliedstaaten gemeinsam an der Verteidigung gegen Cyberangriffe arbeiten. Dafür müssen wir einen realistischen Ansatz für die Cybersicherheit erarbeiten, dem die Bürger Vertrauen schenken. 

  • Wir müssen gegenüber internationalem Cyberverbrechen erhöhte Wachsamkeit zeigen. 
  • Die Verantwortung zum Schutz gegen Malware und Ransomware durch gute Cyberhygiene liegt bei jeder Einzelperson und jedem Unternehmen. Bürger müssen für Onlinesicherheit sensibilisiert werden und geschult werden, nicht aus Versehen persönliche Daten an Dritte weiterzugeben. Dazu muss auch die Bildung ihren Beitrag leisten. 

Ein digitales Europa und die Datenfreizügigkeit

  • Grenzübergreifende digitale staatliche Dienstleistungen machen das tägliche Leben leichter, benötigen jedoch auch ein hohes Maß an Schutz und Sicherheit. Der Rat der Europäischen Union arbeitet mit den anderen EU-Institutionen zusammen, um diesen hohen Standard durchgängig zu erfüllen. 
  • Die Mitgliedstaaten müssen kooperieren, um wahre Datenfreizügigkeit gewährleisten zu können. 

Ein inklusives und nachhaltiges Europa

  • Ein hoher Grad an Cybersicherheit trägt direkt zu einer saubereren Umgebung bei, da mehr Leute mehr Dienstleistungen ohne mangelndes Vertrauen online in Anspruch nehmen. Dieses Vertrauen in die Sicherheit elektronischer Daten bedeutet also, dass wir keine Verkehrsmittel nutzen müssen, um beispielsweise Amtsbesuche zu tätigen.
  • Wir könnten auch Fortschritte in der Arbeitsmobilität machen, wenn staatliche Dienste und private Dienstleistungen online sicher in Anspruch genommen werden können; dadurch wird es Arbeitern schließlich einfacher gemacht, ihren Wohnort zu wechseln und gleichzeitig können Unternehmen innerhalb der EU ihre Waren leichter vermarkten.

Digitales Gipfeltreffen Tallinn

Das Digitale Gipfeltreffen Tallinn findet am 29. September unter der Leitung des estnischen Vorsitzes statt. Auf dem Gipfeltreffen wird es um vielerlei Themen mit Bezug auf die Digitalisierung der Europäischen Union gehen.